Erfahrungsberichte
Ein Bericht von Frank Wilde
(Vater des mitwirkenden Lennart Falkenberg, der die Thispe in "Ein Sommernachstraum" spielte)
Und noch ein soziales Sommernachtsstrohfeuer
...dachte ich, als mein Sohn mir von der Einladung zu einem Casting für Shakespeares "Sommernachtstraum" erzählte. Ziel dieses Theaterprojektes wäre irgendetwas mit „Werte vermitteln“, wusste er grob zu berichten. Oh Gott. Nicht, dass ich generell gegen soziale Projekte und Menschen mit dem unerschütterlichen Willen, etwas zu verändern, wäre. Im Gegenteil, in vielen gesellschaftlichen Bereichen geht es nicht ohne diese bewundernswert uneigennützige Kraft. Aber mal ehrlich, zu oft bleiben Ergebnisse und Menschen hinter den mittlerweile inflationär genutzten Ziel-Formulierungs-Phrasen der Initiatoren zurück.
Oft wird nach der Philosophie verfahren: Was soll´s, Hauptsache man hat irgendetwas versucht. Bei den Jugendlichen allerdings bleibt meist ein desillusionierender Beigeschmack. Aus diesem Grund stand ich auch diesem Projekt skeptisch gegenüber. Da mein Vorurteil aber nicht zum Nachteil meines Sohnes gereichen sollte, bin ich brav mit ihm zum Casting ins Deutsche Schauspielhaus gegangen. Und was wäre es für eine Genugtuung für einen Zyniker wie mich, wenn ich auch hier auf die obligatorischen, unverbindlichen Sprüche zum Thema „So retten wir unsere Jugendlichen“ stoßen würde.
Doch was ich - und noch viel wichtiger mein 12jähriger Sohn - dann erlebten, war wirklich beeindruckend. Keine erhobenen Zeigefinger, kein „wir fassen uns alle an die Hände und dann ist die Welt wieder in Ordnung.“ Kein „der kommt aus Hamm oder Othmarschen, Blankenese oder Barmbek.“ Von Anfang an ging es für die Macher nur um die Kinder, Jugendlichen oder fast Erwachsenen. Wo sind ihre Stärken? Wie können sie optimal eingesetzt werden, um erste Erfolgserlebnisse, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu schaffen. Es ging um das Erleben von Verantwortung, Respekt, Pünktlichkeit oder den Umgang mit Kritik. Und auch die gab es, ganz wie im richtigen Leben. Schließlich hatte die Gruppe um den Regisseur ein ehrgeiziges Ziel. Ein Ziel, für das man jeden in der Gruppe brauchte. Und wenn einer der Schauspieler nach einem nicht so tollen Probentag alles hinschmeißen wollte, haben ihn die anderen wieder aufgebaut und klar gemacht, wie wichtig er und seine Leistung für das Team sind.
Offenbar war es diese Erfahrung, die den Nerv der Jugendlichen getroffen, sie begeistert, geehrt, motiviert, gestärkt und für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit gesorgt hat. Mein Sohn, mit 12 Jahren der Jüngste, wurde bereits nach dem ersten Probentag von den Älteren, wie selbstverständlich zur U-Bahn begleitet und gefragt, ob der Nachhauseweg geregelt wäre, ansonsten würden sie bis zu seiner Haltestelle mitfahren. Auch sonst, wenn es nach einem anstrengenden Probenwochenende noch auf ein Eis an die Außenalster ging – er war dabei. Zufall? Glaube ich nicht. Für mich waren das vielmehr die ersten Ergebnisse der unaufgeregten Selbstverständlichkeit, mit der die Verantwortlichen ihre Ziele vermittelt und aus jedem Teilnehmer etwas noch Wertvolleres gemacht haben.
Werte erleben e.V. ist wirklich wertvoll – für uns alle. Respekt!